Predigt zum Sonntag | Gemeinde Luzein

Predigt zum Sonntag

Neuigkeiten - Predigt zum Sonntag

4.Mose 20.22-29: „Und die Israeliten brachen auf von Kadesch und kamen mit der ganzen Gemeinde an den Berg Hor. Und der HERR redete mit Mose und Aaron am Berge Hor an der Grenze des Landes der Edomiter und sprach: Aaron soll versammelt werden zu seinem Volk; denn er soll nicht in das Land kommen, das ich den Israeliten gegeben habe, weil ihr meinem Mund ungehorsam gewesen seid bei dem Haderwasser. Nimm aber Aaron und seinen Sohn Eleasar und führe sie auf den Berg Hor und zieh Aaron seine Kleider aus und zieh sie seinem Sohn Eleasar an. Und Aaron soll dort versammelt werden und sterben.

Da tat Mose, wie ihm der HERR geboten hatte, und sie stiegen auf den Berg Hor vor der ganzen Gemeinde. Und Mose zog Aaron seine Kleider aus und zog sie seinem Sohn Eleasar an. Und Aaron starb dort oben auf dem Berge. Mose aber und Eleasar stiegen herab vom Berge. Und als die ganze Gemeinde sah, dass Aaron tot war, beweinten sie ihn dreissig Tage, das ganze Haus Israel.“

Lesung: Hebräer 4.12-16

Liebe Gemeinde

Nun stehen sie oben auf dem Berg, die beiden Brüder, Mose und Aaron. Mit ihnen ist Eleasar, Aarons Sohn. Für Aaron war es sein letzter Gang. Er wird auf dem Berg sterben nach dem Wort des HERRN. Aaron ist herrlich gekleidet. Er trägt das Gewand des Hohenpriesters, den Leibrock aus weisser Leinwand, der bis zu den Füssen reicht. Von diesem sieht man den unteren Saum und die Ärmel. Darüber der ärmellose purpurblaue Rock, an dessen unterem Saum abwechslungsweise ein Granatapfel und ein goldenes Glöckchen befestigt ist. Und über dem purpurblauen Rock das Obergewand, gewoben aus weisser Leinwand, purpurblauen, purpurroten und scharlachroten Fäden und mit Goldfäden durchwirkt. Dieses reicht bis zu den Hüften und besteht aus einem Brustteil und einem Rückenteil. Um die Lenden wird dieses von einem Gurt aus demselben Gewebe zusammengehalten. Auf den Schultern sitzt je ein in Gold gefasster Edelstein, auf denen die Namen der zwölf Stämme Israels eingraviert sind, sechs Namen auf jedem Edelstein. Darüber auf der Brust ist ein Täschchen befestigt, ebenso gewoben wie das Obergewand und der Gurt. Auf ihm blinken zwölf Edelsteine. In jeden Edelstein ist der Name eines der zwölf Söhne Jakobs, der Väter der zwölf Stämme Israels, eingraviert. Auf dem Haupt trägt er einen weissen Kopfbund mit einem Goldplättchen auf der Stirn, auf dem eingraviert ist „heilig dem HERRN“. Wir können uns vorstellen: Es ist ein sehr prächtiges Gewand.

Und das trägt Aaron zum Sterben? Nein, das wird ihm nun ausgezogen vor dem Sterben. Nichts von dieser Pracht bedeckt ihn beim Sterben. Er muss das letzte Hemd tragen wie jeder andere Mensch. Im Tod stellt Aaron etwas anderes dar als er im Leben mit seinem prächtigen Kleid darstellte. 

Was stellte er denn mit seinem prächtigen Kleid dar? Den Menschen, wie Gott ihn haben will, wozu der Mensch werden soll, - ein vollkommener Mensch Gottes: Rein, - dafür steht der weisse Leibrock. Himmlisch, vom Himmel, von Gott selber geprägt, - dafür steht das pupurblaue Gewand. Gott ergeben mit Leib und Seele, - dafür stehen die roten Farben, die Blut und Leben darstellen. Die Herrlichkeit Gottes ausstrahlend, - dafür steht das Gold. Er trägt Gottes Volk, das Gott kostbar ist, auf dem Herzen und auf der Schulter, - dafür stehen die Edelsteine. Dieser Mensch Gottes ist dem HERRN heilig, das steht auf dem goldenen Stirnblatt. 

Immer konnte das Volk seinen Hohepriester anschauen. Immer konnte das Volk sehen: So will uns Gott haben. Das sollen wir werden. Das stellte Aaron dar in seinem hohepriesterlichen Gewand. War nun Aaron der Mensch, wie Gott uns Menschen haben will? Wohl hat er Gott gedient. Wohl hat er den Priesterdienst mit Hingabe getan. Er ist auch für das Volk vor Gott eingestanden. Aber auch er war ein Mensch, der gefehlt hatte, der seine Sünden hatte. Darum zeigte nur sein Gewand den vollkommenen Menschen, nicht Aaron selber. Darum musste auch er sterben, sterben wie jeder Mensch. Da, im Tod fällt jede Herrlichkeit von uns Menschen ab. Da liegen wir, einzig bedeckt mit dem dünnen Sterbehemdchen, - und zerfallen zu Staub. „Nackt und bloss kam ich ins Leben, da du mir, Herr, von dir Odem hast gegeben. Nackt und bloss werd ich hinziehen, wann ich werd von der Erd wie ein Schatten fliehen.“ So heisst es in einem Lied von Paul Gerhardt. Im Tod wird sichtbar, was der Hebräerbrief vom Wort Gottes und dessen Wirkung sagt: „Das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert, und dringt durch, bis es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens. Und kein Geschöpf ist vor ihm verborgen, sondern es ist bloss und aufgedeckt vor den Augen Gottes, dem wir Rechenschaft geben müssen.“ (Hebräer 4.12f.) Ja, das Wort Gottes, - es tötete Aaron, - Gott sagte: Aaron muss jetzt sterben, - es tötet uns. Es stellt uns nackt ins Licht von Gottes Angesicht und verdeckt und beschönigt nichts. Vor Gott kann nichts unreines, unheiliges, boshaftes leben. Das muss sterben und zu Staub zerfallen.

Aber schauen wir weiter: Aarons Sohn Eleasar wird mit dem hohepriesterlichen Kleid bekleidet. Das Volk soll weiterhin den Hohepriester in seiner Mitte haben. Es soll weiterhin durch das hohepriesterliche Kleid stets an den vollkommenen Menschen erinnert werden. Wozu?

Wir machen nun einen grossen Schritt, mehr als tausend Jahre. Da stirbt auch einer, nackt, ausgezogen, auf einem Hügel. Sein weisses Kleid ist ihm genommen worden. Um dieses würfeln die Soldaten. Er hängt da in Qualen, festgeheftet am Kreuz zwischen Himmel und Erde. Er sieht aus wie ein Sünder, den seine Sünden eingeholt haben. Man sieht an ihm den Lohn der Sünde. Und er stirbt mit Sündern. Aber dann, als er gestorben ist, preist der Hauptmann Gott, dieser Hauptmann, der das Kommando befehligte, das ihn gekreuzigt hatte. Der Hauptmann ruft aus: „Fürwahr, dieser Mensch, dieser war gerecht.“ (Lukas 23.47) Ihr wisst, wer dieser Gerechte war: Jesus von Nazareth. Jesus trug in seinem Leben kein hohepriesterliches Gewand. Bei ihm stellte nicht das Gewand den Menschen vor Augen, wie Gott ihn haben will. Er war es. Jesus ist der vollkommene Mensch Gottes. Darum, als er ausgezogen war und alles dessen beraubt, was ein Mensch auf Erden haben kann, und so starb, da war sein Aussehen zwar wie das eines Verbrechers. Er war verklagt und verurteilt worden als Hochverräter und Gotteslästerer, aber das war er nicht, das hat man ihm nur angehängt wie ein Kleid. Das waren nicht seine Sünden, sondern die der Menschen, aller Menschen. Die haben ihn bedeckt, auch unsere Sünden. Die Menschen haben sie ihm angehängt, - Gott hat sie ihm angehängt. Doch als er so gestorben war ohne Schimpfen, ohne Fluchen, seinen Vater im Himmel anrufend, als er ganz entblösst war, da leuchtete dem römischen Hauptmann das Wesen Jesu auf. Da sah der Hauptmann ihn, wer er war: der Gerechte.

Darum ist Jesus nicht mit dem Amt, mit dem Gewand des Hohepriesters bekleidet, das diesem zum Sterben ausgezogen wird. Er ist der Hohepriester. Das ist sein Wesen. So tritt er beim Vater für uns ein. Nun haben wir nicht mehr ein Gewand vor unseren Augen, das uns zeigt, wie der vollkommene Mensch Gottes sein soll, sondern wir haben ihn vor Augen, Jesus. Da sehen wir den vollkommenen Menschen Gottes. Dem müssen wir gleichgestaltet werden.

Wie ist das möglich? Es ist Gottes Werk. Der Vater tut es durch seinen Sohn. Erinnert ihr euch an die zwölf Edelsteine auf dem Täschchen des Hohepriesters mit den Namen? So trägt unser Hohepriester sein Volk auf dem Herzen. Er kennt alle mit Namen. Seht ihr die beiden von Gold eingefassten Edelsteine mit den Namen auf den Schultern des Hohepriesters? So trägt unser Hohepriester sein Volk auf seinen Schultern samt ihrer Sündenlast. So, betend und beladen, hat er sich Gott selbst dargebracht. So hat er sich gegeben und die Folge der Sünden erlitten, die Verurteilung zum Tod, das entkleidet Werden, den Tod am Kreuz. Nun hat er die Sünden seines Volkes in seinen Tod mitgenommen. Nun sind sie nicht mehr da. Und dann hat ihn der Vater aus der Totenwelt und aus dem Grab herausgeholt und ihm alle Macht im Himmel und auf Erden gegeben, auch die Macht, in den Tod zu führen und wieder heraus ins Leben. Das tut er mit seinem Volk.

Wer aber gehört zu seinem Volk? Wer an ihn glaubt. Wer sich auf ihn verlässt. Wer ihm gehorsam wird und ihm nachfolgt. Die werden ein neues Geschöpf, seine Schöpfung, die ihm entspricht, Menschen, die seinem Bild gleichgestaltet werden. Wenn wir also uns auf ihn verlassen, wenn wir lernen, auf sein Wort zu hören, auf sein Leben zu achten, wenn wir lernen, ihm zu gehorchen und ihm nachzufolgen, seinen Spuren, seinen Fussstapfen, wenn wir uns darin üben, unsere Glieder nicht unseren Begierden, die gegen Gott streiten, zur Verfügung zu stellen, sondern mit ihnen ihm zu dienen und seinen Willen zu tun, und so unsere gewöhnlichen Dinge im Alltag zu verrichten, dann fängt das sündige Wesen in uns an zu sterben, und die neue Schöpfung, Christus in uns, lebt und wird stärker. Das ist ein Weg, das ist ein Prozess. Der dauert, bis wir sterben. Dann werden wir entkleidet, dann tragen auch wir das Sterbehemdchen. Dann fällt von uns ab, was nicht zum Mensch Gottes gehört. Dann zerfällt unser Leib, mit dem wir nicht nur ihm gedient, sondern auch gesündigt haben, zu Staub. Dann sind wir ganz enthüllt. Und dann wird sichtbar, was wir geworden sind, ob wir das neue Geschöpf in Christus geworden sind, bekleidet mit seiner Gerechtigkeit. Das ist dann sichtbar in der himmlischen Welt vor Gott. Dem hängt nichts Fremdes mehr an, das nicht zu Gott gehört. Und wann er kommt, Christus, und Gericht hält und Himmel und Erden erneuert, dann wird vor aller Welt erscheinen, was wir, wenn wir ihm geglaubt haben, in ihm geworden sind.

Gebet

Treuer Gott und Vater, du hast uns Menschen in deinem Bild geschaffen. Du hast uns vor Grundlegung der Welt dazu bestimmt, heilig und untadelig vor dir zu sein in der Gemeinschaft deines lieben Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus. Wenn wir uns anschauen, sind wir weit davon entfernt, die zu sein, die du haben willst. Du aber, treuer Gott, unser Vater, du gibst dein Werk nicht auf. Du führst aus, was du dir vorgenommen hast. Dazu hast du deinen Sohn, den du lieb hast, dein Ein und Alles, in die Welt gesandt und Mensch werden lassen von Mutterleib an. Dazu hast du, Herr Jesus, dein Leben gegeben. Dazu hast du unsere Sünde auf dich genommen, die Sünde der Welt. 

Und nun rufst du uns zu dir, um uns zu vergeben, um uns zum neuen Geschöpf zu machen, das heilig und rein ist vor dir und dem Vater.

Das wollen wir stets anschauen, das wollen wir in unser Herz fassen und nicht vergessen. Tu dein wunderbares Werk an uns. Hilf uns durch deinen Heiligen Geist. Überführe uns von dem, was unrecht, lieblos und böse ist in unserem Leben, und hilf uns, dir nachzufolgen, deinen Willen zu tun und zu verstehen.

Wir sehen, welch schlimmen Lauf unsere Welt nimmt. Wir sehen den Hass unter den Völkern, aber auch in unserer Gesellschaft, unter Nachbarn und in Familien. Wir sehen, wie jeder auf dem bestehen will, was er als sein Recht ansieht. Das Recht der andern aber wird wenig beachtet. Herr, öffne uns die Augen. Lehre uns, so uns selber anzuschauen, wie du willst, dass wir uns sehen. Lehre uns die andern zu sehen, wie du willst, dass wir sie sehen. Lehre uns deine Liebe und Barmherzigkeit. Lehre uns mit den andern tun, wie du mit uns tust.

Erbarme dich der leidenden Menschen. Erbarme dich der hungernden und niedergehaltenen Völker. Erbarme dich derer, die unter Krieg, Elend, Vertreibung und Heimatlosigkeit leiden. Stärke die in Politik und Wirtschaft, die nach Gerechtigkeit fragen, und wie den Armen und Umhergestossenen geholfen werden kann. 

Lass geraten, was aus Liebe und mit Weisheit getan wird. Wehre denen, die Böses tun. Lass die Welt erkennen, dass ohne dich kein beständiger Friede wird, dass aber unter dir und mit dir Friede ist.

Komm bald, Herr Jesus, und bereite dein Volk und die Welt zu auf dein Kommen.