Predigt zum Sonntag | Gemeinde Luzein

Predigt zum Sonntag

Neuigkeiten - Predigt zum Sonntag

Offenbarung 3.14-22: „Und dem Engel der Gemeinde in Laodizea schreibe: Das sagt, der Amen heisst, der treue und wahrhaftige Zeuge, der Anfang der Schöpfung Gottes: Ich kenne deine Werke, dass du weder kalt noch warm bist. Ach, dass du kalt oder warm wärest! Weil du aber lau bist und weder warm noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde. Du sprichst: Ich bin reich und habe genug und brauche nichts! und weisst nicht, dass du elend und jämmerlich bist, arm, blind und bloss. Ich rate dir, dass du Gold von mir kaufst, das im Feuer geläutert ist, damit du reich werdest, und weisse Kleider, damit du sie anziehst und die Schande deiner Blösse nicht offenbar werde, und Augensalbe, deine Augen zu salben, damit du sehen mögest. Welche ich lieb habe, die weise ich zurecht und züchtige ich. So sei nun eifrig und tue Busse! Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich hineingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir. Wer überwindet, dem will ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie auch ich überwunden habe und mich gesetzt habe mit meinem Vater auf seinen Thron. Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt.“

Lesung: Psalm 46


Liebe Gemeinde

Sie sind alle gekommen zum Fest, zu seinem Geburtstagsfest, zu dem er eingeladen hatte. Nun feiern sie. Sie essen, sie tanzen, sie geniessen, sie unterhalten sich untereinander. Bei ihm aber, der eingeladen hat, sitzt niemand. Mit ihm redet niemand. O nicht, dass sie ihn nicht herzlich gegrüsst und ihm für die Einladung gedankt und versichert hätten, wie sehr sie sich über die Einladung und auf das Fest gefreut hätten. Und immer wieder mal sitzt jemand kurz zu ihm, wechselt ein paar Worte mit ihm oder bringt auch ein Anliegen vor. Denn er ist reich und hat schon vielen gegeben und aus Not geholfen. Aber bald sind sie wieder bei den andern und vergnügen sich mit ihnen. Er gönnt es ihnen. Aber er kommt sich mehr und mehr überflüssig vor. Schliesslich steht er auf und geht leise – und niemand merkt es.

Heute hat sie wieder angefangen, die Adventszeit. Lichter werden entzündet – dieses Jahr vielleicht nicht so viele, man sollte ja Strom sparen, dafür aber vielleicht mehr Kerzenlicht. Das wäre ohnehin wärmer, weniger aufreizend als die elektrischen Lichtorgeln, dafür lebendiger. Weihnachtsmärkte, Grittibänzen, Samichlaus, Glühwein, Lebkuchen, Weihnachtsgueteli, Adventsfenster, Geselligkeit, Musik, Konzerte. Hektik – ja die gibt es auch. Vielleicht aber schaffen wir es und auch andere, es weniger hektisch zu nehmen, ein bisschen zur Ruhe zu kommen, ein bisschen sich zu besinnen, Wärme, Schönes zu geniessen. Denn es ist doch eine schöne Zeit. Ich jedenfalls liebe sie und geniesse sie auch. Und er, er gönnt sie uns. Er will uns eine schöne, jedenfalls eine gute, für uns und viele heilbringende Zeit schenken.

Er – wer er? Denken wir an ihn, suchen wir ihn? Wegen ihm haben wir diese Zeit. Haben wir Gemeinschaft mit ihm oder kaum oder keine? Merken wir, ob er da ist – oder vielleicht schon gegangen ist? Ich erinnere mich – es war kein Fest, es war ein Leidmahl, aber da sitzt man auch zusammen und redet mancherlei. Und der Mann, dessen Frau begaben wurde, liess mich neben sich sitzen. Ich redete aber nicht viel mit ihm – er hörte schlecht – und wandte meine Aufmerksamkeit andern zu. Nach einer Weile sprach er mich darauf an, nicht vorwurfsvoll, aber ich spürte, dass er es empfand, - und ich schämte mich.

Sie verdankt ihm ihr Leben. Mehr: Sie ist durch ihn geworden. Sie ist sein Geschöpf. Er hat sie geliebt. Und sie ist seiner Liebe gefolgt und zu ihm gekommen. Bei ihm hat sie alles bekommen und es ging ihr gut. Und sie lebte und genoss und arbeitete, - und für ihn – sie hat nichts gegen ihn, gewiss nicht, - aber für ihn hat sie immer weniger Zeit. Es läuft so viel, die Tage sind so voll. Wann war sie das letzte Mal ganz mit ihm, nicht nur dass sie ihn schnell um etwas bat, ohne dabei von ihrer Beschäftigung recht aufzublicken, sondern wirklich bei ihm, um bei ihm zu sein, um ihm zuzuhören. Sie weiss es nicht mehr. Und sie denkt auch nicht daran – sie gehört ja zu ihm – und merkt gar nicht, dass er nicht mehr da ist, bei ihr drinnen. Und immer noch, es geht ihr gut, blendend, meint sie.

Wer? Seine Kirche. Die Kirche des Herrn Jesus, seine Gemeinde, die Gemeinschaft derer, die nach seinem Namen genannt sind: Christen, die es ohne ihn nicht gäbe. Nicht alle Kirchen sind so, nicht alle seine Gemeinden, nicht alle, die an ihn glauben. Es ist die letzte von sieben Gemeinden, denen er sein Wort sendet, die er so vorfindet, aus deren Mitte er gegangen ist, weil sie ihn so gar nicht wahrnimmt. Die nun ganz selbstzufrieden lebt und aktiv ist, ohne ihn, und es nicht einmal merkt und ihn nicht einmal vermisst. Sie hat ja alles: Organisation, einen gewissen gesellschaftlichen Einfluss, christliche Werte, verschiedene Aktivitäten, hübsche Kirchengebäude, finanzielle Mittel und immer viel zu tun, um ihre Glieder und andere Leute zu unterhalten. Wie steht es mit ihrer Liebe? Ist da noch ein Funken Liebe, ein wenig Glut? Sie hat nichts gegen ihn, nein, gewiss nicht, aber hat sie noch etwas für ihn?

Er redet streng mit ihr. Die Gemeinschaft mit ihm steht auf dem Spiel und damit ihr Leben und Sein. Wenn sie seine Gemeinschaft verliert, hat sie ihr Leben verloren. Deutlich hält er ihr den Spiegel vor und zeigt ihr, wie er sie wahrnimmt. Dabei sagt er ihr, als wer er vor ihr steht: „Das sagt, der Amen heisst, der Anfang der Schöpfung Gottes, der treue und wahrhaftige Zeuge.“ Er ist der Grund, ihr Grund, ihr Fundament, eben Amen. Auf ihm gründet jede Schöpfung, sie selber als sein Geschöpf, falls er wieder zu ihr kommen darf, sonst zerfällt sie zu nichts. Und er sagt als Zeuge aus, was er sieht und hört, treu und wahrhaftig, und beschönigt nicht.

„Du sprichst: Ich bin reich und habe genug und brauche nichts! und weisst nicht, dass du elend und jämmerlich bist, arm, blind und bloss.“

Ist euch auch schon aufgefallen, dass zwischen Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung manchmal ein grosser Unterschied besteht? Man sieht es bei Kindern, man erlebt es in der Ehe und überhaupt immer wieder unter uns Menschen. Wie kommt es denn, dass diese Gemeinde meint, sie sei reich und habe alles und ist dermassen herabgekommen? Den Schatz im Himmel, die Vergebung und Reinigung von den Sünden, Gottes Gerechtigkeit, das Kleid der Gerechtigkeit Gottes, durch den Heiligen Geist erleuchtete Augen und Sinne. Das habe ich doch, sagt sie. Das habe ich doch alles bekommen, ich die Gemeinde des Christus. Gewiss, du hast alles bekommen, aber du hast es nur mit ihm, in der Gemeinschaft mit ihm. Und er ist draussen. Jetzt meinst du, du habest alles, und hast es nicht mehr, weil du ihn nicht mehr hast.

„Ich rate dir,“ sagt er, „kaufe von mir Gold, das im Feuer geläutert ist,“ den Schatz im Himmel, „dass du reich wirst, weisse Kleider,“ die Kleider der Gerechtigkeit Gottes durch die Vergebung um Jesu willen, „damit du sie anziehst und die Schande deiner Blösse nicht offenbar wird, und Augensalbe,“ den Heiligen Geist, der erleuchtet, „um deine Augen zu salben, damit du siehst.“ „Kaufe von mir,“ sagt er. Womit aber soll sie kaufen, wenn sie verarmt ist? Unser Herr sucht nicht unsere Mittel, er sucht uns. „Kaufe von mir,“ das heisst: Komm zu mir! On line Handel gibt es bei ihm nicht. Komm! Da brauchst du Zeit, Zeit für ihn, Zeit für's Beten, Zeit für's Hören, Zeit, um sein Wort zu lesen, Zeit, um dich als Gemeinde vor ihm, für ihn, um seinetwillen zu versammeln. Da wirst du vielleicht auf das eine oder andere verzichten, es nicht tun, weil du nicht für das und auch noch für das Zeit hast. So wie ein Mann und eine Frau ihre Zeit für sich allein nehmen, und dann ist nicht Zeit für auch noch jemand anderes oder sonst etwas. Zeit für die Gemeinschaft, um die Liebe zu pflegen, sonst erkaltet sie, wird lau, erlischt, und plötzlich sagt er oder sie: So kann ich nicht mehr, ich gehe. Und das andere versteht die Welt nicht mehr: Ich hatte es ja gut mit ihr, mit ihm, - und du hast nicht gemerkt, wie du es vernachlässigt und seine leisen Signale überhört hast.

Er hat sie lieb, seine Gemeinde. Darum hat er streng mit ihr geredet und ist noch nicht gegangen, steht vor der Tür wie ein Bettler und klopft, ob sie seine Stimme hört und ihm öffnet.

„Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich eingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir.“ Das Mahl mit ihm halten, ein Bild und Ausdruck tiefer, verbindlicher Freundschaft und Gemeinschaft. Das will er. „Wer überwindet,“ wer siegt, - es geht nicht von selber. Kämpfen muss sie, seine Gemeinde, und wenn es gegen das Zuviel ist, das sie in Beschlag nehmen will, so dass er keinen Raum mehr bei ihr findet, und wenn sie für ihre Zeit für ihn, mit ihm, kämpfen muss, stille Zeit allein mit ihm. „Wer überwindet,“ wer siegt, - viel ist dem verheissen, - „dem werde ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie auch ich überwunden habe,“ - gesiegt habe, - „und mich gesetzt habe mit meinem Vater auf meinen Thron.“ So innig nahe will er sie haben, will er uns haben, seine Gemeinde. Und von denen, die mit ihm sitzen, fliessen Ströme seiner Liebe und Kraft in den Alltag, ins Leben, in die Arbeit, in die Familien, Häuser, Dörfer und Länder, sein Licht in die dunkle Welt, bis er kommt.

Gebet

Lieber Herr, und wie siehst du uns? Bist du noch bei uns drinnen? Oder stehst du auch bei uns draussen – und wir haben nicht gemerkt, dass du gegangen bist? Lass uns deine Stimme hören, lass uns dein Klopfen vernehmen, damit wir nicht blind und taub ohne dich vorwärts machen, losgelöst von dir, der du unser Leben bist, und zugrunde gehen.

Danke, dass deine Liebe nicht aufgehört hat. Danke, dass du uns zur Umkehr rufst. Danke, dass du uns bei dir und dem Vater haben willst in herzlicher Gemeinschaft. In deiner Gemeinschaft sind wir reich, reich an Gnade und Vergebung. In deiner Gemeinschaft sind wir rein, eingehüllt in deine Gerechtigkeit. In deiner Gemeinschaft sind wir geleitet durch deinen Heiligen Geist.

Deine Gaben, die du uns gibst, lass überfliessen hinein in unser tägliches Leben, hinein in die täglichen Arbeiten, in die Freuden, in die Schwierigkeit und Nöte, damit deine Menschenliebe zu vielen hinströmt, hinein in ihr Leben, damit vielen Menschen geholfen wird in ihren inneren und äusseren Nöten, damit dein Licht, du selber, vielen Menschen im Herzen aufgehst.

Wehre gnädig der Not in dieser Welt. Stoppe Krieg und zerbrich Waffen. Hilf zu Versöhnung und Frieden in unseren Familien und unter den Völkern. Lass dein Evangelium gesagt und gehört werden in unseren Familien und unter den Völkern, in der ganzen Welt. Wehre denen, die Böses planen, und segne alle Menschen, die Gutes tun und lass die Werke der Liebe und Hilfe zum Ziel kommen. Im Hinschauen zu dir, im Achten auf dein Wort, im Halten deiner Gebote und Tun, was recht ist und der Liebe entspricht, lass uns Advent feiern, warten auf dich, bis du kommst.