Predigt zum Sonntag | Gemeinde Luzein

Predigt zum Sonntag

Neuigkeiten - Predigt zum Sonntag

2.Mose 15.22-26: „Mose liess Israel ziehen vom Schilfmeer hinaus zur Wüste Schur. Und sie wanderten drei Tage in der Wüste und fanden kein Wasser. Da kamen sie nach Mara; aber sie konnten das Wasser von Mara nicht trinken, denn es war bitter. Daher nannte man den Ort Mara. Da murrte das Volk wider Mose und sprach: Was sollen wir trinken? Er schrie zu dem HERRN, und der HERR zeigte ihm ein Holz; das warf er ins Wasser, da wurde es süss.

Dort gab er ihnen Gesetz und Recht und versuchte sie, und sprach: Wirst du der Stimme des HERRN, deines Gottes, gehorchen und tun, was recht ist vor ihm, und merken auf seine Gebote und halten alle seine Gesetze, so will ich dir keine der Krankheiten auferlegen, die ich den Ägyptern auferlegt habe; denn ich bin der HERR, dein Arzt.“

Lesung: Matthäus 9.1-13

Liebe Gemeinde

Israel ist frei von der Macht des Pharao. Kein Menschenheer bedroht es mehr. Nun geht es vorwärts in Richtung verheissenes Land. Es geht aber nicht auf dem direkten und kurzen Weg. Es geht durch die Wüste. Und der Weg durch die Wüste ist kein Spaziergang. Drei Tage sind sie jetzt unterwegs – und kein Wasser. Natürlich hat zu dem, was sie aus Ägypten mitgenommen hatten, auch Wasser gehört. Doch für wie viele Tage kann man Wasser mitnehmen, wenn man alles selber tragen muss? Drei Tage – aber nun seht, da glitzert etwas, da ist Wasser! Alles eilt zum Wasser und schöpft und nimmt in den Mund – und spuckt aus! Das Wasser ist bitter. Es ist ungeniessbar. Verzweiflung macht sich breit. Mose, was werden wir trinken? rufen sie. Sie fordern, sie murren. Sie sind voll Vorwürfe. Ihre Geduld ist zu Ende.

Mose kann ihnen kein Wasser geben. Er schreit zu Gott. Gott zeigt ihm ein Stück Holz. Mose wirft es in das Wasser. Und das Wasser wird süss. Das Volk kann trinken und die Wasserschläuche frisch füllen.

Wasser gegen den Durst des Leibes hat Gott ihnen gegeben. Das aber reicht nicht. Sie brauchen mehr zum Leben. Gott zeigt es ihnen. Er setzt es ihnen vor: Gesetz und Recht. Und er verheisst ihnen: „Wirst du der Stimme des HERRN, deines Gottes, gehorchen und tun, was recht ist, so will ich dir keine der Krankheiten auflegen, die ich den Ägyptern auferlegt habe; denn ich bin der HERR, dein Arzt.“

„Ich bin der HERR, dein Arzt.“ Das ist das erste, was Gott seinem Volk von sich sagt. Einiges hat ja Israel bis jetzt von Gott gehört, von den Vätern bis hin zu dem, was ihnen Mose schon gesagt hat. Manches haben sie von seinem Tun erfahren und selber erlebt. Was ist das für ein Gott, der sich so um sie annimmt? Wer bist du, der Verheissungen gibt, um sie an den Kindern und Kindeskindern zu erfüllen? Wer bist du, mein Gott, für mich?

Kennt ihr solches Fragen? Wer bist du für mich? Unter Menschen kennen wir wohl solches Fragen. Ich erinnere mich an mein erstes Praktikum in psychiatrischer Pflege. Da sagte mir einmal der Stationsleiter: Ich mache mir Gedanken, wie ich dich fördern kann. Er vermittelte mir damit: Ich bin dein Ausbildner und Förderer. In der Werbung finden wir immer wieder Aussagen wie: Ihr Schreiner; Ihr Metzger… Und von uns wollen sie wohl hören oder erfahren: Ihr Kunde.

Und nun eben vor Gott: Wer bist du, mein Gott, für mich? Dein Arzt, ist die Antwort. Gott, mein Arzt! Brauch ich das? Bin ich denn krank? Nein, und sonst… - Ich habe schon gehört, dass jemand sagte: Ich gehe lieber nicht zum Arzt. Der findet sonst bestimmt etwas heraus. Natürlich kommt es manchmal vor, dass er etwas findet. Und es ist gut, wenn der Arzt oder die Ärztin, bemerkt, sieht, wenn etwas nicht gut ist. Und manchmal, - auch das kommt vor, - machen sie etwas zu einem Problem, was keines ist. Aber wenn mir nun Gott sagt: Ich bin der HERR, dein Arzt, warum sagt er mir das? Warum hat er das seinem Volk Israel gesagt – das als erstes? Waren sie krank? Bin ich krank? In einem Psalm lesen wir: „Kein Gebrechlicher war unter ihnen,“ keiner, der stolperte. (Psalm 105.37) Oder hat das Wandern sie krank gemacht, der Durst, die Angst?

Gott redet von Krankheiten, die er in Ägypten auferlegt hat, Leuten und Tieren. Und er verspricht Israel, dass er auf sie keine solche Krankheiten legen will, wenn sie auf seine Stimme hören, wenn sie tun, was recht und gerade ist in seinen Augen, wenn sie seine Gebote zu Ohren nehmen und seine Gesetze bewahren. Gottes Rechte, Gesetze und Gebote – Medizin gegen Krankheit!? Ja, wenn man will, kann man es wissen. Es gibt Untersuchungen, - die Amerikaner machen solche, - die darauf hinweisen, dass die Leute, die an Gott glauben und sich nach seinen Geboten richten, durchschnittlich glücklicher sind als andere. Das ist ein statistischer Wert, das gilt durchschnittlich. Im einzelnen kann es ganz anders aussehen. Die Bibel weiss davon auch. Da gibt es Gläubige, die leiden, die sind jeden Tag geplagt. „Jeden Tag bin ich geschlagen und gezüchtigt,“ obwohl ich nichts Böses tue, klagt Asaph, der Beter von Psalm 73. Dagegen geht es den Gottlosen gut, die ein grosses Maul haben, die gross tun, denen alle Beifall klatschen. Sie sind auch gesund und gut genährt. Verkehrte Welt! - so sieht es manchmal auch aus.

Was ist da los? Was hilft es einem Menschen, wenn es ihm statistisch gesehen besser gehen sollte, in Wirklichkeit aber schlechter geht? Hat er die Gebote nicht recht gehalten? Oder reichen die Gebote doch nicht, um uns gesund zu machen? „Ich bin der HERR, dein Arzt.“ Wenn Gott das sagt, sieht er Krankheit, die wir nicht, noch nicht merken, ja, von der wir kaum einen Begriff haben. Was wir wahrnehmen an Gutem und Bösem ist häufig an der Oberfläche, so auch die Krankheiten, die wir merken. Gott aber sieht, was unter der Oberfläche ist, die Tiefen, auch die Tiefen in uns, die nicht einmal wir selber kennen. Und er sieht, wie er uns haben will: gleich einem bewässerten Garten, gleich einem Brunnen, der überfliesst von gutem und nicht von bitterem Wasser.

Als Jesus auf dieser Erde lebte, sagte er: „Die Gesunden brauchen keinen Arzt, sondern die Kranken.“ (Matthäus 9.12) Wann sagte er das? Als man ihm Vorwürfe machte, dass er mit Zöllnern ass. Zöllner damals galten weitgehend als korrupt und ungerecht, solche, die Gottes Gebote nicht halten, und viele waren auch so. Sie waren  in der Wahrnehmung der Leute nicht krank, aber schlecht. Sie assen ja und tranken und hatten ein Fest, - und zu einem ihrer Fester hatten sie Jesus eingeladen. Es ging ihnen gut – man könnte fast sagen, wie den Gottlosen in Psalm 73. Solche meint Jesus, wenn er sagt: Die Kranken brauchen einen Arzt. Einen von ihnen hat er zu sich in die Nachfolge gerufen, und dieser ist aufgestanden und ihm nachgefolgt. Nun hat dieser Mann Jesus zu sich eingeladen zum Essen und die andern Zöllner. Und sie sind gekommen, - und Jesus ist gekommen. Wenn aber Jesus eingeladen wird und kommt, kommt er als Arzt, der gründlich gesund macht, von innen nach aussen.

Dazu eine weitere Geschichte: Vier Männer haben ihren gelähmten Freund zu Jesus gebracht. Und weil sie nicht zukamen wegen der vielen Menschen, haben sie ein Loch ins Dach gemacht und ihn zu Jesu Füssen hinabgelassen. Und Jesus? Es heisst: „Als er ihren Glauben sah, sprach er zum Gelähmten: „Sei getrost, Kind, deine Sünden sind dir vergeben.“ (Matthäus 9.2) Was für ein Blick! Hatten daran die Freunde gedacht? Hatte das der Gelähmte erwartet? Es war die grundlegende Heilung, die Jesus ihm schenkte. Das andere gab er ihm danach, dass er wieder gehen konnte.

Wir haben keine Ahnung, wie krank wir in Gottes Augen sind, wie schlimm es in uns aussieht, wie giftig manchmal das Wasser ist, das aus uns fliesst. Wir müssen ein neues Geschöpf werden. Dazu müssen wir sterben und von den Toten auferweckt werden. Das ist Jesu Werk. Und er tut es schon jetzt im Verborgenen an denen, die ihm vertrauen, und macht sie zu einer Quelle frischen Wassers, so dass Menschen durch sie erfrischt werden, dass Menschen durch sie das Leben finden, das Leben in Christus.

Der Herr, mein Arzt, - brauch ich ihn so? Am Anfang, als ich an Jesus glaubte, war das kaum in meinem Horizont. Je länger ich aber in der Gemeinschaft mit Jesus lebe, desto deutlicher wird mir bewusst, dass es ohne ihn als meinen Arzt nicht geht. Ich brauche seine Vergebung. Ich muss ein neues Geschöpf werden. Der alte Menschen, was böse ist, muss sterben. Und ich muss von ihm, dem Sohn Gottes, auferweckt werden, wie er selber von den Toten auferweckt worden ist. Jetzt schon! In diesem Leben schon, will der Sohn Gottes Raum in mir bekommen und mich zum neuen Geschöpf machen.

Israel hat am Anfang wohl auch noch kaum verstanden, wie sehr es den HERRN als seinen Arzt braucht, schon jetzt am Anfang der Wanderung durch die Wüste, den HERRN, der aus bitterem Wasser süsses Wasser schaffen kann, Leben aus dem Tod. Im Laufe der Jahre und Jahrhunderte wurde ihm das klarer. Es drückt dies im Gebet und Lob aus: „Lobe den HERRN, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen. Lobe den HERRN meine Seele, und vergiss nicht, was er zur Reife bringt: Der dir alle deine Sünden vergibt, der alle deine Gebrechen, deine Krankheiten, heilt, der dein Leben aus dem Verderben – das ist: aus dem Tod – erlöst, der dich krönt mit Gnade und Barmherzigkeit, der deine Zierde sättigt – und deine Jugend erneuert sich wie ein Adler.“

Gebet

Lieber Herr, danke für alle Gesundheit, die du uns schenkst. Du bist es, der uns vor Krankheit behütest. Du bist es, der uns oft wieder gesund gemacht hast, aus Krankheiten, die wir für leicht halten, und solchen, deren tödliche Bedrohung wir empfunden haben. Du weisst, wer auch jetzt unter uns krank ist, wer leidet, wer in dieser Welt kaum oder gar nicht mehr auf Genesung hoffen kann. Doch auch da gibst du Hoffnung, weil du unser Arzt bist, der nicht nur vorläufig helfen und retten kann, sondern der uns durch den Tod und aus dem Tod neues, ewiges Leben gibt.

Darum lass uns auf dich hören, lass uns dir anhangen, lass uns dir folgen. Hilf uns, dass wir nicht dem Wahn verfallen, wir bräuchten keinen Arzt. Lass uns nicht darauf vertrauen, wir seien genug gesund, gerecht und gut. Sondern gib uns, dass wir uns unter dein Urteil stellen, unter deinen Blick, der uns krank, elend, arm, sündig, dem Tod verfallen sieht. Und zeige uns deinen Sohn, durch den du uns heilst, rettest und neu schaffst, durch den du uns zu einem bewässerten Garten machst, der dazu am Kreuz gestorben und von dir, Vater, auferweckt worden ist. 

Danke für unsere medizinische Versorgung, durch die wir viel vorläufige Heilung und Linderung erhalten. Danke für das, was Menschen können und in Liebe tun, die in Pflege, Therapie und Medizin arbeiten. Segne sie in ihrem Dienst, stärke sie in ihrem strengen und verantwortungsvollen Alltag, tröste und ermutige sie, wenn sie an ihre Grenzen kommen, wenn sie nicht mehr helfen können, und schütze sie, wenn sie angegriffen und verleumdet werden oder Unmögliches von ihnen gefordert wird. Du hast ihrem Wissen und Können Grenzen gesetzt. So sind wir stets auf dich, den grossen Arzt, den Arzt aller Ärzte, angewiesen. In der Abhängigkeit von dir lass uns unsere Tage verbringen, die du uns gegeben hast, Gutes tun, heilen, lindern, trösten, wie es uns möglich ist, die Verbreitung deines Evangeliums fördern in Wort und Tat, bis du kommst und dein herrliches Werk vollendest.