Predigt zum Sonntag | Gemeinde Luzein

Predigt zum Sonntag

Neuigkeiten - Predigt zum Sonntag

2.Mose 20.1,2,17: „Und Gott redete alle diese Worte: Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft geführt habe. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was dein Nächster hat.“

Lesung: Römer 7.7-25

Liebe Gemeinde

Zebras und Antilopen weiden seelenruhig oder sind an der Tränke. Nicht weit von ihnen ruhen ein paar Löwinnen. Sie tun den Zebras und Antilopen nichts. Gibt es das? Der Prophet Jesaja sieht Ähnliches im Bild, wann der Friedenskönig allein regiert. Dann haben die Menschen und die Völker Frieden. Dann haben auch die Menschen mit den Tieren und die Tiere untereinander Frieden, „denn das Land wird voll Erkenntnis des HERRN sein, wie Wasser das Meer bedeckt.“ (Jesaja 11.9) Man kann es aber auch in unserer Welt und Zeit sehen. Wann? Wenn die Löwinnen gejagt und genug gefressen haben. Ein voller und satter Löwe jagt nicht. Der begehrt keine Zebras und Antilopen.

Hast du genug? - Gelt, es kommt darauf an, an was wir denken. Das Gebot führt uns alles vor Augen, was man so haben kann: Das Haus. Mit diesem Begriff ist viel mehr verbunden als nur das Gebäude. Dazu können die Familie gehören, das Gebäude selber, der Garten, je nachdem ein ganzer Betrieb. Ja, zu biblischen Zeiten konnte ein König von seinem Haus reden und dabei das ganze Land samt allen Leuten mit einschliessen. So sagte der Pharao zu Josef: „Du sollst über mein Haus sein, und deinem Wort soll all mein Volk gehorsam sein.“ (1.Mose 41.40) Nun konnte freilich auch ein Herrscher nicht einfach frei über das verfügen, was seinen Untertanen gehörte, oder ein Herr über das, was seinen Knechten und Mägden gehörte. So wird denn ausdrücklich die Frau hervorgehoben, mit der jemand verheiratet ist. Da damals eine Frau nicht einfach einen Mann nehmen konnte, wird nur sie genannt. Das Umgekehrte aber gilt selbstverständlich auch. Eine Frau soll auch nicht den Mann einer andern Frau begehren. Weiter werden angeführt die Leute, die jemandem zugehören, und die Tiere, von denen die Arbeitstiere besonders genannt sind. Und schliesslich heisst es allgemein: „Du sollst nichts von dem begehren, was dein Nächster hat.“

Nicht begehren, was mein Nächster hat! - geht das? Kann ich mich freuen an dem, was er hat, und es ihm herzlich gönnen? Wenn er eine herzensgute, hübsche Frau hat, oder sie einen Mann, der sie innig liebt, wenn sie eine glückliche Familie sind, in der Friede und Liebe herrscht, wenn er angesehen ist, Glück im Beruf hat, gesund und kräftig ist. Nun, wenn ich das selber auch habe, gönne ich es ihm möglicherweise schon, wenn er nicht gerade mein böser Feind ist. Aber wenn die eigene Ehe schwierig ist oder gescheitert, und seine Frau oder ihr Mann genau mein Typ wäre. Wenn ich das Gefühl habe, das oder jenes möchte ich auch leisten, aber trotz aller Anstrengung schaffe ich es nie, Durchschnitt vielleicht, ja, aber nichts besonderes. Wenn ich ständig leidend oder krank bin, stets damit zu kämpfen habe, und durch das Leiden eingeschränkt werde, so dass ich nichts oder wenig tun kann von dem, was ich tun möchte, oder meine, was ich tun sollte. Freue ich mich dann über das, was andere haben und mir versagt ist, gönne ich es ihnen dann ohne Neid? Was ist in deinem Herzen schon vorgegangen? Was geht in ihm vor? Du weisst es, wenn du es wissen willst.

Der Apostel Paulus sagt von sich, dass er die Begierde in seinem Herz kennt. Gerade das Gebot: „Du sollst nicht begehren!“ gerade es, sagt er, „hat in mir Begierden aller Art erweckt.“ (Römer 7.8) Das wollte der Apostel Paulus nicht. Er stimmt dem Gebot zu. Er bekennt: „Es ist heilig, gerecht und gut.“ (V.12) Aber es hilft ihm nicht. Es kann ihn nicht vor dem Begehren bewahren, sondern regt es an. Warum? Es steckt in meinem Fleisch. In mir steckt die Sünde. In mir steckt die Begierde. „Ich weiss, dass in mir, das heisst in meinem Fleisch, Gutes nicht wohnt,“ (V.19) sagt er. Ich will das zwar nicht, aber es ist so. „Wollen habe ich, aber das Gute vollbringen nicht.“ Was kann man da machen? Der Apostel Paulus ruft aus: „Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem todverfallenen Leib?“ Und die Antwort? Er gibt sie gleich selber: „Dank sei Gott durch Jesus Christus, unsern Herr!“ Er dankt Gott. Und dann stellt er nüchtern fest: „So diene ich nun mit dem Gemüt dem Gesetz Gottes, aber mit dem Fleisch dem Gesetz der Sünde.“ (V.24f.)

Nun ist das aber nicht alles. Es gibt nämlich noch ein anderes Gesetz als das Gesetz der Sünde. Es gibt auch das Gesetz des Geistes, nicht irgendeines Geistes, sondern des Geistes, der lebendig macht in Christus Jesus. Das ist der Heilige Geist. Dieser ist stark, stärker als unser Fleisch, unser Leib, samt dem Begehren, das in ihm steckt. Folget dem Heiligen Geist, nicht dem Begehren eures Fleisches, sagt uns der Apostel. Ja, er sagt es noch viel stärker. „Tötet durch den Heiligen Geist die Taten des Fleisches!“ Und dazu die Verheissung: „So werdet ihr leben.“ (Kp.8.13) Das bedeutet nicht, dass wir kein unheilvolles Begehren mehr spüren. Hätte der Apostel Paulus davon nichts mehr gespürt, hätte er kaum etwas davon geschrieben. Aber in der Kraft des Heiligen Geistes folgen wir nicht unserem Begehren, sondern ihm, dem Heiligen Geist, der uns das Gebot und den Willen Gottes zeigt. Und noch etwas: Wir dürfen und sollen den Herrn Jesus bitten, dass er stark werde in uns und das quälende Begehren dämpft, solches Begehren, das uns neidisch und unglücklich macht, das uns plagt, oder dem wir immer wieder erliegen, und wenn wir das Begehrte nicht erlangen können, in unreinen Phantasien und Vorstellungen damit herumspielen. Dieses Begehren, das auch so viel Gemeinschaft zerstört. Denn wie können wir froh mit denen Gemeinschaft pflegen, die wir beneiden, deren nächste Menschen, deren Ansehen, deren Besitz und Gaben wir für uns heiß begehren und danach trachten, es ihnen wegzunehmen? Von den Brüdern Josefs heisst es, dass sie ihm kein freundliches Wort mehr sagen konnten. (1.Mose 37.4) Und die Priester und andere führende Leute konnten nicht an Jesus glauben, weil sie ihn beneideten. Der Evangelist Matthäus berichtet, dass der Statthalter Pontius Pilatus merkte, dass aus Neid die Leute vom Hohen Rat ihm Jesus ausgeliefert hatten, damit er gekreuzigt werde. (Matthäus 27.18)

Hast du den Heiligen Geist? Du hast ihn, wenn du dich selber dem Herrn Jesus übergibst mit Leib und Seele, und dich unter seine Herrschaft stellst, und wenn du ihn bittest, dass er durch seinen Geist in dir wohnen möge. Er will das. Er begehrt dich. Er hat ein Recht auf dich, denn er ist dein Schöpfer. Der Vater hat dich durch ihn gemacht. Er ist dein Erlöser und der dich neu schaffen will. Aber sein Begehren ist nicht ein räuberisches Begehren, es ist nicht selbstsüchtig, kein Ausstrecken nach etwas, das ihm nicht gehört, sondern es ist das liebende Begehren. Darum wartet er auf dich. Darum erzwingt er nichts.

So ist er, so war er damals in der Welt. So sahen ihn seine Jünger. Er hat nicht für sich geworben. Er hat den Vater verherrlicht. Viele Leute sind ihm nachgelaufen, das war so. Aber er hat sie nicht an sich gekettet. Er hat ihnen nicht geschmeichelt, sondern das Wort des Vaters gesagt. Er liess die gehen, die sagten: „Das ist eine harte Rede. Wer kann sie hören?“ (Johannes 6.60) Auch seinen nächsten Jüngern, den zwölf stellte er es frei, von ihm zu gehen. Sie gingen nicht von ihm. Und wenn auch manche Leute von ihm gingen, so kamen andere und hörten ihm dankbar zu, so dass seine Gegner erbittert feststellten: „Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet; siehe, alle Welt läuft ihm nach.“ (Johannes 12.19) Jesus begehrte von Herzen, das zu tun, was sein Vater wollte. Er begehrte von Herzen, was sein Vater ihm gab, um es zu erlösen, hegen und fördern und dem Vater wieder zu geben. „Alles, was mein ist, ist dein,“ sagt er seinem himmlischen Vater. Und warum sagt er das mit Freuden ohne Bitterkeit, ohne Angst zu kurz zu kommen? Weil er weiss und bekennt: „Und was dein ist, das ist mein.“ (Johannes 17.10)

Das ist das heilige Begehren des Kindes Gottes, das ganz erfüllt ist von der Liebe Gottes. Zu solch heiligem Begehren will der Sohn Gottes uns frei machen. Das Gebot wehrt nicht solchem Begehren, sondern nennt das neidische Begehren Unrecht, das dem andern nehmen will oder missgönnt, was ihm gehört, was Gott ihm zugeteilt hat, und das mit dem nicht zufrieden sein will, das Gott ihm gibt. Gott will uns nicht zu gefühllosen Klötzen machen, sondern zu geheiligten Menschen, die innig für sich und andere begehren, was der Vater will, und was er uns und einem jeden gibt. Und wie der Herr Jesus beim Vater alles hatte, so haben wir alles, wenn wir ihn haben: „Wer dich hat, ist still und satt,“ bekennt Gerhard Tersteegen in einem seiner Lieder. Denn wer ihn hat, hat alles und spricht mit dem Sohn Gottes: „Vater, alles was mein ist, ist dein, und alles, was dein ist, ist mein.“

Gebet

Lieber Vater im Himmel, Du gibst genug. Jedem teilst du zu, wie du willst. Und dein Wille ist gut. Lass uns sehen, was uns von dir gegeben ist. Wir danken dir für deine Gaben, für das, was wir bekommen haben, und für das, was du andern zugeteilt hast. Vergib uns jede Unzufriedenheit, allen Neid, die Missgunst, womit wir andern vergönnen, was du ihnen gegeben hast.

Du siehst das Begehren in unseren Herzen. Es liegt tiefer als wir ahnen und wissen. Du allein kannst das tiefste Sehnen in uns stillen. Darum hilf uns, unsere Befriedigung nicht in den noch so schönen Dingen dieser Welt zu suchen, auch wenn wir Freude daran haben und sie uns gefallen und wir manches davon haben dürfen. Überhaupt lass uns die Befriedigung unseres Sehnens nicht in irgendetwas suchen oder von irgendetwas anderem erwarten als von dir. Denn zu dir hin sind wir geschaffen und für die Gemeinschaft in deinem lieben Sohn, unserem Herrn, Jesus Christus. Darum lass uns dich suchen, ob wir nun viel oder wenig haben, ob uns unsere Unternehmungen glücken oder nicht, ob wir fröhlich sind oder Leid tragen. Du hast uns gesucht. Lass uns dich finden und erfahren, dass wir genug haben, wenn wir dich haben. Lass uns begreifen, dass wir reich sind, weil du in Jesus Christus unser Vater bist. Aus diesem Reichtum lass uns Gutes tun und nicht ablassen, freigebig und grosszügig auszuteilen aus den Gaben, Kräften und Begabungen, die du uns gegeben und anvertraut hast. So segne uns und die vielen Menschen und schenke Frieden.

Denen aber, die andere übervorteilen, an sich reissen, was andern gehört, neiden und unterdrücken und andere ins Unglück stürzen, mach ein Ende. Komm, Herr Jesus!