Predigt zum Sonntag | Gemeinde Luzein

Predigt zum Sonntag

Neuigkeiten - Predigt zum Sonntag

Hebräer 12.1-3: „Darum wollen denn auch wir, die wir von einer solchen Wolke von Zeugen umgeben sind, alle Last ablegen und die Sünde, die uns so leicht umgarnt. Wir wollen mit Ausdauer laufen in dem Wettlauf, der noch vor uns liegt, und hinschauen auf den, der unserem Glauben vorangeht und ihn vollendet, auf Jesus, der im Blick auf die vor ihm liegende Freude das Kreuz erduldete, die Schande gering achtete und sich zur Rechten des Thrones Gottes gesetzt hat. Denkt doch an den, der von Seiten der Sünder solchen Widerspruch erduldet hat, damit ihr nicht müde und mutlos werdet.“

Lesung: Psalm 119.25-32

Liebe Gemeinde

Seht ihr sie, die Wettläufer? Seht ihr sie laufen? Ihr Blick ist nach vorne gerichtet auf das Ziel hin. Sie tragen nur ihr leichtes Sportkleid, damit sie durch nichts behindert werden in ihrem Lauf. Sie laufen und geben alles. Sie wollen den Sieg erringen. Und die vielen Zuschauer, die sie anfeuern! Prägt euch dieses Bild ein, sagt uns der Hebräerbrief. Es ist euer Bild. Das seid ihr, denn das Leben im Glauben an den Sohn Gottes gleicht einem Wettlauf. Zwar geht es nicht darum, wer der oder die Schnellste ist, sondern dass man das Ziel erreicht. Auch solche Läufe gibt es ja. Und auch solche fordern einem alles ab. Durchhalten bis zum Ziel! Auch auf solchen Läufen trägt man nur ein leichtes Kleid. Und auch auf solchen Läufen hat es Zuschauer, die einem anfeuern. Ein grosser Unterschied besteht freilich zwischen dem Lauf des Glaubens und sonst einem Lauf. Ein solcher Lauf dauert einige Minuten bis Stunden selten Tage, wobei wir allerdings das Training für den Lauf nicht vergessen dürfen, - dieses gehört auch zum Lauf. Der Lauf im Glauben an den Sohn Gottes aber dauert ein Leben lang, bis wir ganz bei ihm sind.

Wer ermutigt uns, in unserem Lauf durchzuhalten? Der Hebräerbrief zeigt uns die Wolke der Zeugen. Das sind die Menschen, die ihr Leben im Glauben vollendet haben, die das Ziel erreicht haben. Schauen sie zu? Fiebern, bangen sie mit uns? Vielleicht. Sicher weiss ich es nicht, der Brief sagt nichts dazu. Doch sie sind Zeugen, - wofür? Dass sie selber durch alles hindurch, ob sie nun stark oder schwach waren, ob in friedlichem Leben, gewöhnlichem Alltag, ob in Gesundheit oder Krankheit, ob in Verfolgung, Gefahr, Versuchungen aller Art den Glauben festgehalten und das Ziel erreicht haben. Sie sind Zeugen des treuen Heilandes, der sie festgehalten und ihnen die Kraft bis zum Ziel gegeben hat.

„Wir wollen mit Ausdauer laufen,“ mit Geduld laufen, weiter laufen, auch wenn es länger und länger dauert, auch wenn es Anstrengung um Anstrengung erfordert. Sich stets neu dem unterziehen, was der Lauf erfordert. Was erfordert er? Um was muss man kämpfen? Ich möchte drei Dinge hervorheben: Auf Jesus hinschauen, die Gemeinschaft gewinnen, in der Liebe nicht müde werden.

„Auf Jesus hinschauen,“ - man kann auch übersetzen: „Auf Jesus wegschauen,“ wegschauen von Dingen, die unseren Blick und unsere Sinne gefangen nehmen. Der Hebräerbrief sagt im Bild: Wir wollen jede Last ablegen, damit wir laufen können. Das sind nicht unbedingt Dinge, die wir als beschwerlich empfinden, solche werden uns oft ja gerade, nicht abgenommen. Die Dinge, die uns beschweren im Glauben, sind diejenigen, die uns hindern, auf Jesus zu schauen. Was zieht deinen Blick auf sich, so dass du immer weniger auf ihn schaust? Was verdeckt dir den Blick auf ihn?Was fesselt deine Aufmerksamkeit, so dass du ihn vergisst? Von solchen Dingen muss man sich manchmal geradezu wegreissen, eben wegschauen, um Jesus wieder zu sehen. Solche Dinge brauchen nicht schlechte Dinge zu sein. Oft ist es auch einfach schlicht die Fülle, die uns ganz in Beschlag nimmt. 

Von der Sünde sagt der Hebräerbrief im gleichen Atemzug, dass wir sie ablegen sollen. Sie umstrickt uns leicht, wie eine Schnur, die da am Boden liegt, in die man läuft und die einem stolpern lässt oder zu Fall bringt. Im Alltag sind es oft Dinge, die  wir nicht für schweres Unrecht halten: dumme Wörter, eine kleine Beleidigung, ein bisschen Gleichgültigkeit, wo der Einsatz gefordert wäre, Selbstmitleid, Neid, Hochmut, Rechthaberei, mit den Augen fremd gehen, Unaufrichtigkeit, auch sich selbst gegenüber, Selbstrechtfertigung... Das ist wie Unkraut, das man ständig ausreissen muss, damit es nicht überhand nimmt. Denn wo man sich nicht von Sünde trennt, wo man sie nicht ausreisst, immer wieder, tritt sie zwischen Jesus und uns und trennt uns von ihm. 

Wie schaut man denn weg zu ihm? Wir müssen sein Bild anschauen. Schau, wie er seinem Vater vertraut hat, schau, wie er gelaufen ist, den Blick stets auf den Vater gerichtet. Schau ihn, der das Kreuz erduldete, sich verspotten liess, das alles für die Freude, die vor ihm lag. Was für eine Freude? Dass er ein grosses Volk erlöst und zum Vater bringt. Auch du, auch ich, wir sind seine Freude, wenn wir am Glauben festhalten und den Lauf bis zum Ende durchhalten. Solche Bilder, die uns die Bibel von ihm zeigt, anschauen. Und ihm zuhören, wie wir es doch mit Menschen machen, auf die wir uns einlassen, mit denen wir anständig sind, die wir lieben. Wenn wir das tun, weckt er in uns das Vertrauen auf ihn und festigt den Glauben. 

Dazu freilich brauchen wir Stille, dazu brauchen wir Zeit. Es hilft, sich eine feste Zeit im Tag festzulegen, am Morgen früh, bevor der Betrieb beginnt, am Abend, bevor man sich zu Bett legt, oder … Was die günstige Zeit betrifft, da sind wir Menschen verschieden. Und noch etwas: Wir brauchen die Bibel, denn eben, da hören wir ihn, da sehen wir ihn.

Die Gemeinschaft gewinnen: Haben wir es noch im Blick, dass wir Christen eine Gemeinschaft sind, dass wir nicht dazu berufen sind, für uns allein zu glauben und dem Herrn Jesus nachzufolgen, sondern miteinander? Der Hebräerbrief und die andern Briefe der Apostel sagen uns, dass wir ein Volk sind, nämlich Gottes Volk, dass wir sein Haus sind, jedes ein Stein in seinem Tempel, dass wir sein Leib sind, jedes eines der Glieder, und dass wir deshalb aufeinander schauen, einander helfen und unterstützen sollen, als Christen zu leben, den Lauf zu laufen. Im Militär gibt es manche Übungen und Märsche, in denen es nicht darum geht, wer der schnellste ist, sondern dass man die Aufgabe gemeinsam löst, dass auf dem Marsch die ganze Gruppe zum Ziel kommt. Und die nicht mehr mögen? Dass man die mitnimmt, mitbringt. Wer mag, trägt dann auch den Rucksack dessen, der kaum noch mag. Man stützt ihn, trägt ihn. Wenn alle in der vorgegebenen Zeit am Ziel ankommen, dann ist erfüllt. Das gilt mehr, als wenn eine Gruppe zwar schneller ist, aber es haben zwei, drei aufgeben müssen.

Wie aber nimmt denn bei uns die Gemeinschaft Gestalt an? Es gibt da viele Möglichkeiten und der Phantasie sind wenig Grenzen gesetzt. Aber ich hebe den Gottesdienst heraus. Ich habe selten dazu eingeladen. Ich wollte nicht, dass man meint, es gehe um mich oder meine Predigt. Ich halte aber den Gottesdienst für sehr wichtig, wie grundlegend für eine Gemeinde, denn da kommen wir zusammen, um miteinander auf IHN zu hören, um miteinander vor IHM zu sein. Wenn wir das tun, wird der Gottesdienst zum Segen. Natürlich ist es für den, der predigt schön, wenn eine Schar da ist. Aber: Wichtig ist, dass mithörende Leute da sind, ob viel oder wenig, die nicht nur eine Predigt, sondern IHN, unseren Herrn, hören wollen. Wir, die wir predigen, ob Pfarrer oder Laien, können das nur fruchtbar tun, wenn eine Gemeinde da ist, die betet, die mithört. Ich bitte euch, nehmt einander mit zum Gottesdienst. Sagt es auch den jungen Leuten, denen Christus und seine Kirche nicht egal ist. Geht um Jesu willen zur Kirche, um vor ihn zu kommen, geht wegen der Gemeinde zur Kirche, damit ihr einander habt, damit ihr einander ermutigt. Ihr fehlt, wenn ihr nicht da seid. Ihr fehlt nicht in erster Linie dem, der predigt. Ihr fehlt den andern Gliedern der Gemeinde. Und wenn kein Pfarrer, keine Pfarrerin, kein Laienprediger da ist, kommt doch zusammen zum Gottesdienst. Singen, die Bibel lesen, eine Predigt vorlesen, miteinander austauschen, das geht auch, wenn kein Pfarrer da ist. 

In der Liebe nicht müde werden. Von uns Christen wird erwartet, dass wir lieben. Von einer christlichen Kirche wird erwartet, dass man da Liebe findet. Das erwarten die, die nicht zur Kirche gehören, das erwarten auch die, die zur Kirche gehören, - und werden enttäuscht, immer wieder. Besteht diese Erwartung zu Recht? Ja, schon. Unser Gott liebt, Christus liebt. Das ist sein Wesen. Und er will uns zu neuen Geschöpfen machen, die ihm entsprechen, die Gott von ganzem Herzen, von ganzer Seele und aus aller Kraft lieben und den Nächsten wie sich selbst. Er macht uns zum neuen Geschöpf, wenn wir zu ihm kommen und ihn bitten, dass er in uns durch seinen Geist wohne und stark werde. Und dann? Dann lernen wir lieben. Wir lernen, wir haben es noch nicht, wir können es noch nicht. Wir enttäuschen einander immer wieder. Und jetzt lieben? Ja. Jeder Stift fängt an, die Dinge zu tun und zu lernen, die er dann einmal können muss. Wie sieht Lieben aus? Der Apostel Paulus sagt: „Die Liebe ist langmütig und freundlich.“ (1.Korinther 13) Langmütig, geduldig im Ertragen der Fehler, des Unrechts, der Unvollkommenheit, der Schuld der andern, der andern Christen, der Glieder der Gemeinde. „Die Liebe freut sich mit der Wahrheit.“ Nicht Ungutes, Unheilvolles unter den Teppich kehren, nicht verharmlosen, entschuldigen, klein reden, sondern Sünde ans Licht bringen, benennen, zugeben, um Vergebung bitten, vergeben. Das ist grundlegend in der Liebe. Das ist eine grundlegende Übung der Gemeinde. Tragen und ertragen, einander tun, was Christus uns getan hat. Das, was wir von den andern Christen und Menschen erwarten, was wir selber gern hätten, ihnen tun, und alles Liebevolle, Freundliche, - Gutes, das wir empfangen, - auch wenn es klein oder wenig scheint, beachten, dankbar annehmen und es nicht für selbstverständlich achten. Wenn wir das tun, wenn wir das üben und uns dazu anspornen, immer wieder, dann nimmt christliche Gemeinde Gestalt an. Dann wird sie wachsen. Dann werden Segensströme fliessen.

Wegschauen auf Christus, die Gemeinschaft gewinnen, in der Liebe nicht müde werden, liebe Gemeinde, davon habe ich bei euch gesehen und bekommen. Er selber aber, unser treuer Herr, wird euch wachsen lassen zu ihm hin, euch stärken in eurem Lauf, für euch sorgen und euch zu seinem herrlichen Ziel bringen. Seiner Gnade befehle ich euch getrost und gern an.

Gebet

Herr Jesus Christus, nun schauen wir dich an, den Weg, den du gegangen bist in der Liebe deines Vaters, im Gehorsam zu deinem Vater, deinen Weg aus der Geborgenheit und Herrlichkeit des Vaters in diese Welt, zu uns. Du hast die Herrlichkeit, die du beim Vater hattest, abgelegt. Du bist ein Mensch geworden von Mutterleib an und hast dich mit uns verwandt gemacht. So bist du ganz zu uns gekommen. Du hast unsere Schuld, Not und Last auf dich genommen. Du hast sie getragen am Kreuz und mit in deinen Tod genommen. Und dann sehen wir dich, den der Vater von den Toten auferweckt hat, der du sitzest zur Rechten deines Vaters, du, der du vom Vater alle Macht bekommen hast, weil du ganz des Vaters Willen tust und vollendest. Du, der du kommen wirst und Himmel und Erde erneuen wirst, vor dem sich alle Knie beugen werden.

Und wir, wir preisen dich, denn du hast uns zu dir gerufen. Darum sind wir gekommen zu dir, in dem wir die Vergebung unserer Schulden, die Erlösung vom Bösen, die Versöhnung mit dem Vater empfangen haben. Du sammelst uns zu deinem Volk, damit wir miteinander dir nachfolgen, dir dienen, den Weg bis zum Ziel bei dir laufen.

Öffne uns die Augen für dich. Öffne uns die Augen für dein Volk, zu dem wir gehören. Öffne uns die Augen füreinander als Glieder deines Leibes, als Steine deines Hauses. Du bist der Friede. In dir lass uns den Frieden untereinander immer wieder suchen und finden und bewahren. Du liebst uns. Lehre und trainiere uns, damit wir dich und den Vater und einander lieben lernen. Hilf uns an unserem Ort, deine Gemeinde zu werden, immer wieder.

Steh denen bei, die Verantwortung übernommen haben und sie tragen. Rufe Leute und rüste sie aus, die dein Evangelium predigen, die auf dich hören, die mit der Gemeinde auf dich hören wollen. So lass uns miteinander deinen Weg gehen, dir nachfolgen. So gib uns deinen Segen, und dass deine Gemeinde ein Licht und ein Segen ist an ihrem Ort und für die Welt. Lass deine Segensströme fliessen, bis du kommst. Ja, komm, Herr Jesus.