Predigt zum Sonntag | Gemeinde Luzein

Predigt zum Sonntag

Neuigkeiten - Predigt zum Sonntag

4.Mose 23.27 – 24.13: „Balak sprach zu Bileam: Komm doch, ich will dich an einen andern Ort führen; vielleicht gefällt es Gott, dass du sie mir dort verfluchst. Und er führte ihn auf die Höhe des Berges Peor, der hinunterblickt auf das Jordantal. Und Bileam sprach zu Balak: Baue mir hier sieben Altäre, und schaffe mir her sieben junge Stiere und sieben Widder. Balak tat, wie Bileam sagte, und opferte je auf einem Altar einen jungen Stier und einen Widder.

Da nun Bileam sah, dass es in den Augen des HERRN gut war, Israel zu segnen, ging er nicht mehr wie bisher auf Zeichen aus, sondern richtete sein Angesicht zur Wüste, hob seine Augen auf und sah Israel, wie sie lagerten nach ihren Stämmen. Und der Geist Gottes kam auf ihn, und er hob an mit seinem Spruch und sprach: Es sagt Bileam, der Sohn Beors, es sagt der Mann, dem die Augen geöffnet sind; es sagt der Hörer göttlicher Rede, der die Offenbarungen des Allmächtigen sieht, dem die Augen geöffnet werden, wenn er niederkniet: Wie gut sind deine Zelte, Jakob, und deine Wohnungen, Israel. Wie die Täler, die sich ausbreiten, wie die Gärten an den Wassern, wie Aloebäume, die der HERR pflanzt, wie die Zedern an den Wassern. Sein Eimer fliesst von Wasser über, und seine Saat hat Wasser die Fülle. Sein König wird höher werden als Agag, und sein Reich wird sich erheben. Gott, der ihn aus Ägypten führt, ist für ihn wie das Horn des Wildstiers. Er wird die Völker, seine Verfolger, auffressen und ihre Gebeine zermalmen; und seine Pfeile zerschmettern. Er hat sich hingestreckt und ruht wie ein Löwe und wie ein junger Löwe. Wer stört ihn auf? Gesegnet sind, die dich segnen, und verflucht, die dich verfluchen.

Da entbrannte Balaks Zorn gegen Bileam, und er schlug die Hände zusammen und Balak sprach zu Bileam: Ich habe dich gerufen, dass du meine Feinde verfluchst, und siehe, du hast sie diese dreimal gesegnet. Und nun flüchte dich an deinen Ort! Ich habe gedacht, dir grosse Ehre zu erweisen; aber der HERR hat dir die Ehre verweigert.

Bileam sprach zu Balak: Habe ich nicht schon zu deinen Boten gesagt, die du zu mir sandtest und gesprochen: Wenn mir Balak sein Haus voll Silber und Gold gäbe, so könnte ich doch nicht an des HERRN Wort vorüber und Gutes und Böses tun nach meinem Herzen, sondern was der HERR reden wird, das werde ich reden.“

Lesung: Römer 8.28-34

Liebe Gemeinde

Wenn ich von Deutschland aus in die Schweiz fahre und zum Fenster hinaus schaue, merke ich bald, dass ich in der Schweiz bin. Woran sehe ich das? In der Schweiz macht die Landschaft an vielen Orten einen gepflegten Eindruck. Die Wiesen sind gemäht oder schön geweidet. Die Gärten sind gepflegt, - mein Garten ist da leider nicht ein gutes Beispiel, - aber die grosse Mehrheit der Gärten schon. Besonders in den Bergen sind die Wiesen noch an manchen Orten eine wahre Pracht, voll Blumen. Sie duften denn auch wunderbar. Auch kleine Wiesen an steilen Hängen und in abgelegenen Lichtungen sind liebevoll gepflegt. Ich bin dankbar für die Menschen, die die Wiesen und Gärten und Wälder pflegen. Wenn man nicht pflegt, dann vergandet das Land. Die Natur, sich selber überlassen, schafft an manchen Orten den Ausgleich nicht. Da nehmen ein paar starke Pflanzen, manche mit Dornen, überhand, da gibt es Gestrüpp, da entstehen Rüfen, weil das Land nicht sauber gemäht und geweidet wird. Ein vernünftiger, verhältnismässiger Eingriff erhöht die Biodiversität. Da kommen Pflanzen auf, die sonst eben nicht aufkommen. 

Ein gepflegtes Land, ein Land wie ein gepflegter Garten. Haltet euch dieses Bild vor Augen. Bewahrt dieses Bild in euren Herzen. So nämlich sieht Bileam das Volk Gottes, so sieht er die Nachkommen Jakobs. So sieht er Israel: Gärten an Wasser gepflanzt, Gärten, denen es an Wasser nicht mangelt, Gärten, von denen Ströme von Wasser ausgehen, und das in einem Land, in dem es vom Frühling bis in den Herbst nicht regnet, wo man sorgsam mit dem Wasser umgehen muss, in einem Land, dessen Boden viel Pflege braucht, den man immer wieder entsteinen muss, deren Hügel terassiert werden müssen. Wenn man es aber pflegt, wenn man es bewässert, wird es ein wunderschöner Garten.

Dieses Bild sah Bileam nicht von Anfang an. Erst jetzt, beim dritten Mal, da Balak ihn an einen neuen Ort führte, mit der Hoffnung, hier würde es mit dem Verfluchen klappen, erst da wird Bileam das gezeigt. Erst jetzt, da er nicht mehr nach Zeichen oder Zauberei ausgeht, ob Gott vielleicht doch noch etwas Anderes sagen könnte, erst jetzt, da er sich niederkniet unter Gott, weil er sieht, dass es in Gottes Augen gut ist, Israel zu segnen, erst jetzt kommt der Geist Gottes auf ihn und wird ihm die Schönheit Israels offenbar.

Habt ihr sie noch vor Augen, die wunderschönen gepflegten Gärten? So sieht Gott Israel, so will er es haben. Und wir? Uns will er auch so haben. Er ruft uns doch zu seinem Sohn. Er will, dass wir zu ihm kommen, zu Jesus. Er will, dass wir bei ihm bleiben, und dass wir dem Bild seines Sohnes gleichgestaltet werden. Gleichgestaltet, nicht weniger. Das bedeutet, dass wer eines von uns sieht, an Jesus erinnert wird, dass ihm sofort klar wird: Das ist ein Kind Gottes, ein Sohn Gottes, eine  Tochter Gottes. Bei allen, die zu seinem Volk gehören, will der himmlische Vater das so haben, bei den Gliedern seines Volkes Israels und bei allen Christen, zu welchem Volk sie auch gehören. Die Menschen suchen bei uns die Liebe Gottes, die Vergebung, den Trost, die Ermutigung, die Wahrheit, die Gerechtigkeit, die Barmherzigkeit. Sie nennen sich Christen, sie nennen sich Juden, sie sagen, dass sie zu Gott gehören, dass sie sein Volk sind. Da müsste man doch etwas sehen. Und Hand aufs Herz, auch wir suchen es bei denen, die zur Kirche gehören, bei denen, die sagen: Ich glaube an Jesus, bei denen, die sagen: Ich lese in der Bibel, ich bete, ich gehe in die Kirche, - ja auch wir suchen es bei ihnen, - und werden oft enttäuscht: Der nennt sich Christ und lebt im Ehebruch! Der nennt sich Christ und ist geizig und dreht krumme Touren. Der nennt sich Christ und hat eine böse Zunge. Der soll ein Christ sein und beachtet mich kaum, sagt kaum grüezi; es kümmert ihn nicht wirklich, wie es mir geht, er ist so wenig einfühlsam, so hart, so rechthaberisch. Wir alle suchen bei Mitchristen ein bisschen Himmel, ein bisschen schönen Garten, - und wenn man etwas davon sieht und davon empfängt und geniesst, - wie selbstverständlich, denn er ist ja ein Christ, - und dann auf eine ungepflegte Ecke stösst, ist man tief enttäuscht und verletzt und sagt: Das hätte ich bei dem schon nicht erwartet. Doch - was sehen die andern bei mir? Und was suchen sie bei mir, und finden es auch nicht immer?

Nach dem Gottesdienst, draussen vor der Kirche, schaut einmal hoch zu den Bergspitzen. Stellt euch vor: Da oben sollte ich sein, aber ich bin noch hier unten. So ähnlich ist es mit dem Bild, das der himmlische Vater uns zeigt: So, wie der Sohn Gottes sollst du sein! Und nun sieh auch dich an, dein Leben und Verhalten, wie man es jetzt wahrnimmt; so siehst du noch aus. Wir müssen beides sehen, was wir werden sollen, und wie wir noch aussehen. 

Und nun? Habt ihr gehört, was Bileam gesagt hat, was Gott tut? Zum zweiten Mal sagt er es. Zum zweiten Mal muss König Balak es hören, - und wir hören es hoffentlich auch: „Gott ist daran, sein Volk aus Ägypten zu führen.“ Die sind noch nicht am Ziel. Die sind noch auf dem Weg. Auch bei uns ist Gott daran, uns ganz in die Freiheit des Sohnes Gottes zu führen, wo wir frei wie der Sohn Gottes dem himmlischen Vater ganz ergeben sein werden und ganz gehorchen, kein bisschen gezwungen, aus reiner Liebe. Denn Gott ist gut, und nichts ist gut, das ohne Gott will und tut. Darum ruft uns Gott zu Jesus. Komm zu ihm, lass dir von ihm deine Sünden abwaschen, die er getragen und hinweg genommen hat, deretwegen er geblutet hat und gestorben ist. Bekenne deine Schuld, so weit sie dir bewusst ist, suche und empfange seine Vergebung. Und nun komm unter sein Joch. Folge ihm nach. Lerne von ihm. Übe dich darin zu tun, was er und seine Apostel sagen. Halte die zehn Gebote, tue die Bergpredigt! Alles ist ja für uns aufgeschrieben. Niemand muss unwissend sein über das, was Gott von ihm will. Und wo wir uns verfehlt haben oder nachlässig geworden sind, da lasst uns wieder die Schuld zugeben, die Vergebung erbitten von ihm und den Menschen, an denen wir schuldig geworden sind; und jetzt wieder weiter mit Jesus, in seiner Kraft ihm folgen auf dem guten Weg, auf seinem Weg. So bringt er uns dem Ziel entgegen, das wir dann erreichen, wann wir ganz bei ihm sind. So, auf diesem Weg, Schritt für Schritt, wirst du gesegnet, bist du gesegnet und wirst zum Segen.

„Gesegnet ist, wer dich segnet, verflucht ist, wer dich verflucht,“ sagt Bileam bezogen auf Gottes Volk. König Balak soll das hören, wir auch. Gesegnet ist, wer Israel segnet, wer das Volk Gottes segnet, wer die Christen segnet. Wer das tut, kommt unter den gleichen Segen Gottes. Segen, - stellt sie euch wieder vor Augen, die gesegnete Wiese, das gesegnete Feld, die gesegneten Bäume, die gesegneten Gärten, - so gesegnet wird Israel, so gesegnet die Christen, so gesegnet das gesamte Volk Gottes, reich an Früchten, die Gott gefallen und zum Guten und Segen der Menschen werden, reich an guten, schönen Werken. König Balak könnte den Segen haben, er selber samt seinem Volk, er könnte den Segen des Volkes Gottes haben, wenn er Israel den Segen gönnte. Doch er will nicht, er will Israel als seinen Feind verfluchen und vernichten und verfällt samt seinem Volk selber dem Fluch und Untergang. Verflucht ist, wer Israel, wer die Christen, wer das Volk Gottes verflucht. Auch das gilt.

Darum wird uns Israel nochmals als Löwe gezeigt, der seine Bedränger und feindlichen Völker frisst. Auch dieses Wort kann man, wenn man will, auf zwei Arten hören. Essen, in sich aufnehmen: Entweder beugt sich nun ein Volk, das Israel verfluchen wollte, und dem nun Israel wie ein Löwe begegnet, unter Gott und sein Volk und lässt sich vom Volk Gottes aufnehmen. Dann wird es Teil des Volkes Gottes und seines Segens teilhaftig. Oder es bleibt beim Fluchen. Dann wird es zur Zeit, die Gott bestimmt hat, untergehen und verschwinden.

Ist das recht? Liebe Gemeinde, hier geht es nicht um das recht Tun von uns Menschen. Israel tut seine Sünden, wir Christen tun unsere Sünden, die Menschen tun ihre Sünden. Wir finden viel, übereinander zu klagen. Wir sehen viel Ungerechtigkeit und Bosheit bei Israel, bei uns, in der Welt. Lasst es uns Gott klagen. Wo wir aber wünschen, dass Gott eingreift und die Bosheit richtet, und sie, wer sie auch tut, beim Namen nennen, - und ich denke, wir sollen das tun und wünschen und darum bitten, - da wird unser Vater im Himmel sagen: Ja, das tue ich, und ich fange an bei Dir, bei Euch, bei meinem Volk. „Die Zeit ist da, dass das Gericht anfängt.“ Und es fängt an „beim Hause Gottes.“ (1.Petrus 4.17) Und das Gericht Gottes vollstreckt sich über einzelne, Familien und ganze Völker, die Böses getan haben und sich nicht dem Gericht über ihr Böses gestellt haben und umgekehrt sind. Auch das, lasst uns das vor Augen halten. Das Gericht aber, dass man Folgen der Ungerechtigkeit und Bosheit erfahren muss, dass man Tod, Untergang und Todesgeruch schmecken muss, - wer weiss, ob es manche zur Besinnung bringt und zu Jesus drängt, bei dem die Vergebung und das Leben ist. 

Und das will doch der himmlische Vater schenken. Sein Volk, wie ein schöner Garten, bewässert, von dem Ströme des Segens ausgehen, das will der himmlische Vater haben, zu dem will der himmlische Vater viele Menschen machen: Menschen aus seinem Volk Israel, Menschen, die zur Kirche gehören, die sich Christen nennen, viele Menschen aus allen Völkern, auch uns.

Gebet

Nun, lieber Vater im Himmel, lass uns auf dein Ziel schauen, lass es uns tief ins Herz fassen, wie du uns haben willst, wozu du uns auch bringen wirst in deinem lieben Sohn, unserem Herrn Jesus Christus. Lass uns allezeit deinen schönen, bewässerten, gepflegten Garten vor Augen haben, von dem Ströme des Segens ausgehen, unser Bild, wie du uns schon siehst in deinem Sohn Jesus Christus.

Und wenn wir das sehen, lass uns auch unseren Zustand sehen in dieser Welt, da wir noch auf dem Weg sind, da wir noch gegen Unrecht und Unglauben zu kämpfen und damit bei uns anzufangen haben. Und gib uns die Kraft, die Spannung auszuhalten zwischen dem, wie wir vor dir erscheinen werden, und dem, was wir jetzt an uns und aneinander wahrnehmen.

Herr Jesus, du vergibst uns. Dafür hast du gelitten, geblutet, bist gestorben. Alles Böse, alle Last der ganzen Welt hast du getragen, auch unsere Schuld, auch unser Böses. Lass uns dich, das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt trägt, stets vor Augen haben. Du rufst uns zu dir, du rufst uns unter dein Joch, du trägst und ziehst selber am Joch. So lass uns nun bei dir willig unseren Teil der Last tragen, den du uns zugemessen hast. Du erziehst uns. Lass uns deine Erziehung willig annehmen. Lass uns dir nach Schritte tun hin zum Ziel, das uns der Vater gesetzt hat in dir. Und wie wir Liebe, Barmherzigkeit, Annahme, viel Geduld und alles Gute von dir empfangen, so lass uns auch einander tun und den Menschen.

Wehre dem Bösen und den Bösen, den Grossen und den Kleinen. Bring dein Volk Israel zum Ziel. Bring uns Christen zum Ziel. Hilf den Menschen aus allen Völkern zu deiner Erkenntnis. Bereite uns zu auf den Tag deiner Ankunft, und komm bald, Herr Jesus.