Konfirmation St. Antönien 17. März 2024 | Gemeinde Luzein

Konfirmation St. Antönien 17. März 2024

Neuigkeiten - Konfirmation St. Antönien 17. März 2024

Konfirmation von Lena Scherrer und Enrico Bardill am 17. März 2024 in St. Antönien

Lena und Enrico haben je eine kleine Geschichte vorgelesen, auf die die Predigt Bezug nimmt. Enricos Geschichte erzählt von Fröschen, die einen Wettkampf veranstalteten. Das Ziel für die Wettkämpfer war die Spitze eines hohen Turmes. Die Zuschauer trauten es jedoch keinem zu, das Ziel zu erreichen. Mit ihren Kommentaren entmutigten sie alle, ausser einem Frosch, der schliesslich oben ankam. Was war das Geheimnis des Siegers? Er war taub und hatte die entmutigenden Worte nicht gehört.

Lenas Geschichte handelt von einem kleinen Löwen, der Freude an farbigen Schleifen hatte und sich damit schmückte und damit herumspielte. Das passt nicht zu dir, sagten die andern. So wirst du kein starker Löwe. So, wie du tust, tut man als Löwe nicht. Die Ablehnung machte ihn oft traurig. Er mochte und konnte sich nicht anders verhalten. Nach langer Zeit merkten die Löwen, dass sie den Kleinen nicht ändern und ihn in ihre Schablonen pressen können. Als sie das akzeptierten, sahen sie mit einem Mal, dass jeder besonders ist, und es gut ist, wenn jeder leben darf, wie es seiner Art entspricht. 

Psalm 139.1-6,13,14: „Ein Psalm Davids, vorzusingen.

HERR, du erforschest mich und kennest mich. Ich sitze oder stehe auf, so weisst du es; du verstehst meine Gedanken von ferne. Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege. Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, HERR, nicht schon wüsstest. Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir. Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch, ich kann sie nicht begreifen.“
„Du hast meine Nieren bereitet und hast mich gebildet im Mutterleibe. Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.“


Psalm 3.1-3: „Ein Psalm Davids, als er vor seinem Sohn Absalom floh.

HERR, wie sind meiner Feinde so viel und erheben sich so viele gegen mich. Viele sagen von mir: Er hat keine Hilfe bei Gott. Aber du, HERR, bist der Schild für mich, du bist meine Ehre und hebst mein Haupt empor.“

Liebe Gemeinde, lieber Enrico, liebe Lena

Ihr habt beide für den heutigen Tag, für eure Konfirmation, eine Geschichte, eine Fabel gesucht, die etwas von dem zeigt, das euch wichtig ist. Du, Lena, hast sie sogar selber geschrieben. 

Wenn ich an deine Fabel denke, liebe Lena, habe ich den Eindruck, dass es dir wichtig ist, dass du dich deiner Art entsprechend entfalten und leben darfst, dass nicht andere dich in ein Korsett, in eine Form drücken dürfen, die nicht zu dir passt. Anderen willst du das auch zugestehen, nehme ich an, und wünschest, dass wir überhaupt so miteinander umgehen.

Bei deiner Fabel, lieber Enrico, höre ich die Aufmunterung: Lass dich nicht von anderen entmutigen, die dir nicht zutrauen, dass du schaffst, was du dir vorgenommen hast. Höre nicht auf sie, sondern geh deinen Weg bis zum Ziel.

Sagt die Bibel auch etwas zu dem, was euch und wohl auch viele bewegt? Kann sie uns helfen und uns Unterstützung und Klarheit geben? Beim Nachdenken darüber sind mir zwei Psalmen in den Sinn gekommen, zwei Gebete, die dem Volk Gottes, auch uns, geschenkt worden sind. Der eine ist der Psalm 139, aus dem ihr vorgelesen habt. Deine Geschichte, liebe Lena, hat mich an ihn erinnert. Diesem Psalm gehen wir zuerst nach.

Du, Gott, hast mich wunderbar gemacht, so staunt der Psalm. Wer den Psalm mitbetet, schaut sich selber an und staunt darüber und spricht aus: Ich bin wunderbar geschaffen. Ich bin ein Werk Gottes! - Ein Werk Gottes ist nie eine Kopie. Gott macht nur Unikate. Ich habe gehört, dass es nicht einmal zwei Schneekristalle gibt, die genau gleich sind. Ähnlich, ja; sehr ähnlich, ja; aber nicht genau gleich. Stellt euch vor, diese Milliarden und Milliarden von Schneekristallen, jedes ein Gebilde von überwältigender Schönheit, jedes auf dem Sechseck aufgebaut für einen winzigen Augenblick, - und schon zerfallen. So schafft unser Gott. Alles, was er macht, ist von einer Schönheit und Qualität, die unser Fassungsvermögen weit übersteigt. Wir Menschen sind viel mehr als viele Schneekristalle, würde wohl unser Herr, Jesus Christus, sagen. Wie kostbar ist da ein Mensch, wie einzigartig, - und ein tiefes Geheimnis!

Seht ihr solche Herrlichkeit, wenn ihr euch anschaut und wenn ihr einander anschaut? Spürt ihr das? Manchmal, aber wahrscheinlich nicht immer. Man kann es beim Schneekristall besser sehen, auch bei den Pflanzen und den Tieren. Warum das? Nur was in Gottes Hand ist, nur was in Gottes Hand bleibt, behält Gottes Herrlichkeit. Was sich seiner Hand entwindet, verdirbt, geht kaputt und macht andere und anderes kaputt. Das sehen wir. Wir sehen, dass manches unter uns Menschen nicht ist, wie es sein sollte, wie wir uns wünschen, wonach wir uns sehnen. Wir spüren, wo Liebe fehlt, wo Bosheiten geschehen. Wir sehen Neid, Rücksichtslosigkeit, Habgier, Ausbeutung bei andern, - bei uns auch? Wir sehen, wie unser Leib an Schönheit und Kraft einbüsst und schliesslich zerfällt. Wir versuchen dem entgegen zu wirken mit Körperpflege und Medizin für unseren Körper. Wir machen Gesetze, um Unheilvolles einzudämmen. Wir haben eine Vorstellung, wie es besser sein sollte, und versuchen Menschen dahin zu bringen, so zu handeln, wie wir es für gut ansehen. Das alles braucht es. Aber, – nun sind wir bei der Geschichte von Lena, - dabei wird auch manches verbogen. Am einen Ort wird es besser, am andern schlechter. Die einen werden geschützt, und es geht ihnen besser, andere werden in ein Schema gepresst, das ihnen nicht entspricht. Schaffen denn wir Menschen es nicht?

„Kehrt zurück, ihr abtrünnigen Kinder,“ ihr abgewichenen Kinder, „so will ich euch heilen von eurem Ungehorsam.“ (Jeremia 3.22) Durch die ganze Bibel können wir diesen Ruf Gottes, unseres Schöpfers, unseres himmlischen Vaters, hören. Und wenn wir das tun? Dann zeigt Gott uns, was wir werden sollen, das, wozu er uns geschaffen hat, und wozu er uns erneuern will. Und er zeigt uns den Weg, auf dem er es tut.

Wozu hat Gott uns geschaffen? Wisst ihr es? „Dass wir gleichgestaltet werden dem Bild seines Sohnes.“ (Römer 8.29) Haben wir recht gehört? Wir müssen werden wie Jesus? Jede und jeder muss dem Sohn Gottes gleichen? Ja, das sagt uns die heilige Schrift. Jedes muss ihm gleich werden, - nicht als Kopie freilich, Gott macht ja keine Kopien, - sondern jedes auf seine eigene einzigartige Weise, entsprechend wie Gott dich geschaffen hat und dich sieht, doch jedes dem Sohn Gottes gleich. Wie denn ihm gleich? Ihm gleich in der reinen Liebe, ihm gleich im ganzen Gehorsam – gegen den himmlischen Vater – heilig wie er, ganz ihm gehörig, ganz ihm ergeben, vollkommen schön an Leib und Seele, ohne Fleck, nichts auszusetzen vor seinen hellen, alles durchdringenden Augen.

Gelt, dagegen ist der Turm, den die Frösche bis zur Spitze erklimmen sollten, ein Klacks. Wie kann man das erreichen? Das kann nur Gott mit uns erreichen. Er kann, und er will! Darum ruft er doch: „Kommt zu mir, ihr von mir abgewandten Kinder, und ich werde eure Abwendung heilen.“ Darum ruft sein Sohn: „Kommt her zu mir! Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig. So werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.“ (Matthäus 11.28ff.) Der Frosch, der die Turmspitze erreichte, war taub. Er hörte die entmutigenden Rufe der Zuschauer nicht. Wir sind nicht taub, aber wir müssen wie die Ohren verschliessen vor den Stimmen, die uns hindern wollen, dem Ruf des Vaters und seines Sohnes zu folgen. Und es gibt genug Stimmen, die uns abhalten wollen. Das sind feindliche Stimmen, die das Vertrauen zu Jesus auslöschen und vom Weg uns abdrängen wollen, dem Weg ihm nach. „HERR, wie sind meiner Feinde so viel und erheben sich so viele gegen mich,“ so betet David im 3. Psalm. „Viele sagen von mir: Er hat keine Hilfe bei Gott.“ Hört ihr die Frösche, die sagen: Das schaffen die nie! Die mühen sich ganz vergeblich ab! Im Psalm aber wendet sich David direkt an Gott und schaut ihn an: „Aber du, HERR, bist mein Schild um mich her, du bist meine Ehre und der mein Haupt erhebt.“ Du, HERR, bist meine Ehre, mein Gewicht – so wichtig bist du für Gott.

Taub muss man sein für die Stimmen der Menschen, um Gottes Ziel zu erreichen - nicht immer natürlich, - aber dann, wenn sie uns von Gott und seinem Weg abhalten wollen. Taub muss man sein gegen die eigenen Wünsche und Träume und Sehnsüchte und das Begehren, sie gleich zu verwirklichen, - auch da, nicht immer natürlich, auch nicht, weil sie schlecht sind, aber dann, wenn sie uns auf Wege verleiten wollen, die nicht Gottes Weg sind, wenn sie uns drängen wollen, einen den eigenen Weg zu gehen und nicht seine Gebote zu halten. Da muss man die Sehnsüchte niederhalten und sich sagen und trösten: Gott wird dir alles geben und alles an dir erfüllen. Er wird dir viel mehr geben und dich viel herrlicher machen, als du dir vorstellen kannst, doch auf seinem Weg, zu seiner Zeit, und vollkommen erst am Ziel, wann du ganz bei ihm bist. So muss man für gewisse Stimmen taub sein.

Hörend aber muss man sein für Gottes Stimme und für die Stimme seines Sohnes, des guten Hirten. Und sehende Augen des Herzens für ihn brauchen wir. Ihn hören, immer, immer, wie uns die Evangelien seine Worte geben. Ihn anschauen, immer, immer, wie ihn uns die Evangelien zeigen: sein Leben, sein Sterben am Kreuz, seine Liebe zum Vater und so zu uns Menschen, seine Hingabe, seine Erlösung am Kreuz, seine Auferstehung, - diese Kraft Gottes, die das neue Leben schafft. Im Hören und Schauen auf ihn geben wir seinem Heiligen Geist Raum in uns und lernen, uns ihm, unserem Herrn und Retter, ganz zu ergeben. So, mit ihm, der uns erlöste hat und alles vergibt, lernen wir lieben, wie er uns liebt und der Vater uns liebt. So lernen wir gehorchen und seine Gebote halten, wie er gehorcht hat. So lernen wir Hingabe, wie er sich aus Liebe Gott hingegeben hat. 

Freilich, das ist ein Weg. Das muss man üben und lernen. Der Frosch war ja auch nicht in einem Sprung an der Turmspitze. Er kletterte und kletterte und kletterte bis zum Ziel. So Jesus nach, jedes auf seine Art, wie es von Gott geschaffen ist, und doch miteinander, einander ermutigen, einander helfen, auf ihn zu schauen, einander stärken zur Liebe und jedem guten Werk, einander erinnern: „Er hat dir vergeben und dich erlöst!“ darum weiter, ihm nach, bis zum herrlichen Ziel! Er will es schaffen mit dir. Und er wird es schaffen, der treue Herr.

Gebet

Lieber Vater im Himmel, dir danken wir für die jungen Menschen, für Lena und Enrico, die jetzt konfirmiert worden sind. Du hast jedes einzigartig und wunderbar geschaffen. Du hast ihnen bis heute das Leben in dieser Welt geschenkt und sie bewahrt. Du hast sie mit Fähigkeiten und Gaben ausgestattet, die sie entfalten dürfen. Gib ihnen dazu Ausdauer und Geduld. Leite sie auf ihrem Weg, erwachsen zu werden. Lass sie Menschen finden, die sie stärken und ermutigen auf ihrem Weg und in allem Guten. Bewahre sie vor Bösem und Verführung.

Herr Jesus Christus, du bist der gute Hirte. Du hast dein Leben für sie gegeben, wie auch für die ganze Welt. In dir ist die Vergebung und Erlösung vom Bösen. Du bist es, der uns zu einer neuen Schöpfung macht. Geh du ihnen voran in ihrem Leben. Lass sie in Geduld dir nachfolgen. Leuchte ihnen, der du das Licht der Welt bist. Wenn sie sich von dir weg verirren, suche du sie gnädig. Lass sie Menschen werden, die von dir gesegnet sind und andern zum Segen werden.

Behüte ihre und unsere Familien, behüte unser Dorf und Land. Erbarme dich deiner Welt mit ihren vielen Menschen. Du bist vom Vater in sie gesandt worden. Du hast für sie gelitten. Du hast sie durch dein Sterben erlöst. Du gibst das ewige Leben allen, die an dich glauben. Mit unendlicher Geduld trägst und erträgst du sie, deine Welt, bis du kommst und alles neu machst. Auf diesen Tag bereite uns zu mit deinem ganzen Volk. Komm bald, Herr Jesus.